Entwicklungspolitische Leitlinien des Landes Berlin: für eine Politik der nachhaltigen globalen Entwicklung

 

 

Diese Leitlinien1 beschreiben eine Strategie für das Land Berlin zur Wahrnehmung
seiner historischen und heutigen Verantwortung als Hauptstadt Deutschlands, einer
der wirtschaftstärksten Staaten der Welt für eine nachhaltige (d.h. soziale,
ökologische und wirtschaftliche) Entwicklung der Einen Welt. Das Land Berlin will
einen angemessenen Beitrag dazu leisten, menschenwürdige, friedliche und
gerechte Lebensbedingungen zu erhalten und zu schaffen.


Diese Leitlinien sind das Ergebnis eines breiten partizipativen Prozesses, an dem
sich staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure2 aus sehr unterschiedlichen Feldern
der internationalen, entwicklungspolitischen und interkulturellen Zusammenarbeit
beteiligt haben.


Sie beruhen auf der in diesem Prozess formulierten Erkenntnis, dass Berlin seiner
Verantwortung in der Einen Welt nur auf der Basis von Werten durch Dialog,
Partnerschaft, Solidarität und gemeinschaftliches Handeln gerecht werden kann, und
stehen im Gesamtkontext einer internationalen und interkulturellen Politik des
Landes.


Diese Leitlinien orientieren sich an den nationalen und internationalen
Vereinbarungen zur Wahrnehmung der globalen Verantwortung für Nachhaltigkeit,
insbesondere an dem Beschluss der Ministerpräsidenten zur Entwicklungspolitik in
gemeinsamer Verantwortung von Bund, Ländern und Kommunen vom 24. Oktober
2008, den UN-Millenniumszielen des Jahres 2000 und den Richtlinien und
Vereinbarungen von OECD und UN3.

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1 Die Leitlinien ersetzen die Entwicklungspolitischen Leitlinien des Landes Berlin vom 23. Oktober
2001.
2 U.a. aus entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen, Verwaltungen von Ländern und des
Bundes, öffentlichen Betrieben, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen, migrantischen Gruppen.
3 Insbesondere an


- den OECD Guidelines for Multinational Enterprises
- den ILO-Kernarbeitsnormen
- dem Global Compact der Vereinten Nationen
- den Guiding principles for the implementation of the United Nations ‘Protect, respect and
   remedy’ framework (UN- Menschenrechtsrat A/HRC/17/31)
- der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und allen weiteren von der UN
   beschlossenen Menschenrechtspakten
- der „Agenda 21“ zur nachhaltigen Entwicklung von 1992 und dem Rio-Folgeprozess

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Bekenntnis zur nachhaltigen Entwicklung und zur globalen Partnerschaft


Das Denken und Handeln in globalen Zusammenhängen ist für Berlin sowohl
Verpflichtung und Aufgabe als auch eine entscheidende Chance für seine eigene
gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung.


Berlin hat das Konzept der nachhaltigen Entwicklung (Agenda 21), das von allen
Staaten gleichermaßen ökologische, ökonomische und soziale Veränderungen
erwartet, als Leitidee der künftigen Landespolitik beschlossen. Damit einher geht das
Bekenntnis zur globalen Gleichberechtigung, zu einer gleichberechtigten
Partnerschaft und der Bereitschaft zum Voneinanderlernen. Dies sind die
Voraussetzungen, um den globalen Herausforderungen wirksam begegnen zu
können, und die Grundlage jeder langfristigen erfolgreichen internationalen und
interkulturellen Zusammenarbeit.


Zu einem ökonomisch handlungsfähigen Berlin gehört eine wettbewerbsfähige,
international orientierte Wirtschaft, die den Herausforderungen der Globalisierung
gewachsen ist.


Die Feststellung, dass alle Staaten weltweit Entwicklungsbedarf haben, löst die
Vorstellungen von einer einseitigen Entwicklungspolitik des Gebens und Nehmens,
von Norden nach Süden, des Lehrens und Lernens ab. Berlin versteht somit
Entwicklungspolitik als wichtigen Bestandteil einer gleichberechtigten internationalen
Politik, ohne die besondere Verantwortung für die ökonomisch schwächeren Länder
und Regionen in Frage zu stellen. Berlin bekennt sich zur Notwendigkeit der stetigen
eigenen Weiterentwicklung und greift hierzu internationale Erfahrungen seiner
Partner auf.


In Anlehnung und Ergänzung an die Vereinbarungen und Strategien der
Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union versteht das Land Berlin
seine spezifischen Aufgaben darin,

- die globale Bildung zu fördern,
- das in Berlin verfügbare internationale Know-how der hier tätigen Organisationen, Unternehmen, Hochschulen       und  Wissenschaftseinrichtungen, der Verwaltung und Politik im Hinblick auf nachhaltige Ziele zu fördern und für die eigene Entwicklung und weltweite Kooperation zu nutzen,

- den internationalen und interkulturellen Dialog und die partnerschaftliche Zusammenarbeit zu fördern,   insbesondere im Rahmen von Städte- und Schulpartnerschaften,

- den Klimaschutz, den fairen Handel und die faire Beschaffung zu fördern,

- die Veränderungsbereitschaft wichtiger Interessensgruppen zu unterstützen.

 

Das Land Berlin arbeitet eng mit zivilgesellschaftlichen Akteuren für die
entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit zusammen, die wichtige
Partner zur Erreichung der in diesen Leitlinien formulierten Ziele sind.

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Eine Kultur der Partnerschaft erfordert eine ressortübergreifende Kohärenz der
Berliner Politik, die durch einen themenorientierten Dialog aller Senatsverwaltungen
sicher gestellt und vom Beirat Entwicklungszusammenarbeit4 unterstützt werden soll.


Der Senat wird darauf achten, dass landespolitische Entscheidungen nicht im
Widerspruch zu Grundlagen und Zielen dieser Leitlinien stehen. Darüber hinaus sind
sie Richtschnur der institutionellen und projektbezogenen Förderpolitik des Berliner
Senats über die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit5 (LEZ).


Der Senat wird hierbei durch den Beirat für Entwicklungszusammenarbeit unterstützt,
an dem neben den berufenen Mitgliedern Vertreter aller von diesen Leitlinien
betroffenen Senatsverwaltungen teilnehmen.


Die Koordination der Berliner Politik im Sinne dieser Richtlinien liegt bei der LEZ in
der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung. Die Durchführung
konkret relevanter Maßnahmen liegt in der Verantwortung der jeweiligen Senats- und
Bezirksverwaltungen.


Im Rahmen der begrenzten Ressourcen ist die öffentliche Förderung von
entwicklungspolitischen Maßnahmen ein wichtiger Baustein des Engagements des
Landes Berlin. Die finanziellen Fördermaßnahmen des Landes werden regelmäßig
evaluiert, um sicherzustellen, dass die angestrebten Ergebnisse unter Beachtung
von Kohärenz, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit bestmöglich erreicht werden.


Eine internationale Kultur der Partnerschaft


Jede erfolgreiche langfristige Zusammenarbeit im gegenseitigen Interesse beruht auf
einer Kultur der Partnerschaft, Nachhaltigkeit und Solidarität.


Diese Kultur ist gekennzeichnet durch Neugier und gegenseitige Lernbereitschaft
sowohl in der internationalen Kooperation und klassischen
Entwicklungszusammenarbeit als auch in Berlin selbst, in der Wirtschafts-, Kultur-,
Umwelt- und Wissenschaftspolitik sowie in der Migrations- und Integrationspolitik.


Berlin ist eine offene, tolerante Metropole mit Menschen aus über 180 Nationen. Das
Land Berlin hat die Partizipationsmöglichkeiten von Migrantinnen und Migranten
gesetzlich gestärkt und begonnen, ihre Integrationschancen mit Hilfe der beiden
Instrumente Integrationskonzepte und Integrationsmonitoring zu verbessern. Dabei
geht es insbesondere um gleiche Zugangschancen zu Arbeit und Bildung. Doch auch
hier gibt es immer noch Diskriminierung und Rassismus. Daher soll Berlin zur
Modellstadt für das friedliche und fruchtbare Zusammenleben vielfältiger Kulturen
und Menschen weiter entwickelt werden.

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4 Der Beirat besteht aus bis zu 15 von der für Wirtschaft zuständigen Senatorin berufenen Mitgliedern
und berät den Berliner Senat bei allen entwicklungspolitisch relevanten Themen. Vier Vertreter/innen
von NRO werden entsprechend der Geschäftsordnung des Beirats vorgeschlagen.

5 Die LEZ ist die zentrale Informations- und Koordinierungsstelle des Berliner Senats für dessen
Entwicklungspolitik, angesiedelt bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung.

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Der Senat fördert kulturelle Veranstaltungen, die zur Völkerverständigung beitragen,
auch als Beitrag zur gesellschaftlichen Partizipation von Angehörigen ethnischer und
kultureller Minderheiten sowie zur Bekämpfung von Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit.


Unsere Willkommenskultur, die sich gleichermaßen auf Neuzuwanderer und
vorübergehende Gäste, auf Studierende, Unternehmen, Beschäftigte, Touristen,
Konferenzbesucher und Kulturschaffende bezieht, soll weiter entwickelt werden.
Berlin setzt sich für Toleranz und die Überwindung jeder Form von Diskriminierung
im Land und weltweit ein.


Berlin pflegt und entwickelt seine Erinnerungskultur durch die Gestaltung und
Nutzung von Erinnerungsorten und einen internationalen Dialog mit seinen Partnern.


In Berlin sollen eine neue Kultur des Dialogs entstehen und Synergien gefördert
werden. Das Land Berlin unterstützt daher bereichsübergreifende Kooperationen von
Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Bildung,
Nichtregierungsorganisationen (NRO) und dem öffentlichen Sektor (Verwaltung und
Betriebe). Dabei sollen das Wissen und die Erfahrung von Menschen mit
migrantischem und diasporischem Hintergrund besonders einbezogen werden.


Die internationale Hauptstadtkultur soll unter Einbeziehung aller international und
global handelnden gesellschaftlichen Akteure, der Bundesministerien und -verbände,
Organisationen der internationalen Zusammenarbeit und Botschaften gezielt gestärkt
werden.


Der Senat fördert die Internationalität und kulturelle Vielfalt Berlins durch die
Anerkennung und Nutzung interkultureller und fremdsprachlicher Kompetenzen,
insbesondere in Verwaltung, Wirtschaft, Schulen, Hochschulen, Wissenschaft, Kultur
und im Sport.


Ein an den Werten der nachhaltigen Entwicklung und globalen Gleichberechtigung
orientiertes Handeln der Berliner Bürgerinnen und Bürger erfordert entsprechende
Kompetenzen und Informationen, wie z.B. das Wissen um historische,
geographische, kulturelle, politische, wirtschaftliche, soziale und ökologische
Verhältnisse in anderen Teilen der Welt und die Fähigkeit zum Denken in globalen
Zusammenhängen. Kenntnisse moderner Fremdsprachen ermöglichen den Dialog
mit Partnern in der Welt.


Prioritäre Handlungsfelder


Denken und Lernen in globalen Zusammenhängen


Zur Umsetzung der entwicklungspolitischen Leitlinien konzentriert sich der Berliner
Senat auf die internationale, und hierbei auch die entwicklungspolitische,
Informations-, Kampagnen- und Bildungsarbeit (Globales Lernen) im Inland und
damit auf die Entwicklung von Bewusstsein und die Aktivierung von
zivilgesellschaftlichem Engagement.

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Das Denken in globalen Zusammenhängen verbunden mit Sprachkompetenzen
müssen in Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Schulen, Hochschulen und Wissenschaft
als Selbstverständlichkeiten in der globalisierten Gesellschaft verstanden werden.


Im Mittelpunkt stehen dabei:


- Die konsequente Ausrichtung der Berliner Bildungspolitik an den Prinzipien
  des Lernens in globalen Zusammenhängen in allen Schulfächern sowie als
  Querschnittsthema fächerübergreifend, in Berufsaus- und Weiterbildung und
  Studium (insbesondere in der Lehrenden- und in der Managementausbildung)
  durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft in
  Zusammenarbeit mit den Berliner NRO, insbesondere dem Berliner
  Entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationszentrum (EPIZ).

- Die finanzielle Förderung von Einrichtungen und Projekten der
  entwicklungsbezogenen Bildungs-, Kampagnen- und Informationsarbeit sowie
  von entwicklungspolitischen Auslandsprojekten im Rahmen von Schul- und
  Städtepartnerschaften.

- Die Internationalisierung des Lehrpersonals an Schulen, auch und besonders
  unter Einbeziehung der migrantischen Potenziale unserer Stadt.

- Die Schaffung von Angeboten für seine Bürgerinnen und Bürger zur
  Förderung einer sachgerechten und reflektierten Urteilsbildung und
  Entscheidungsfindung und zu einem an Partnerschaft und Nachhaltigkeit
  orientierten Handeln auf der Grundlage eines sozial, ökologisch, politisch,
  ökonomisch und kulturell vernetzten Denkens.

- Der Ausbau Berlins als internationaler Lernstandort. Hier können besonders
  die Hochschulen mit ihren international ausgerichteten Studienfächern,
  Kooperationen und Alumni-Programmen einen wichtigen Beitrag leisten (siehe
  unten). Ebenso bedeutend ist die stärkere gesellschaftliche Verankerung und
  Sichtbarkeit der internationalen und entwicklungspolitischen Einrichtungen
  des Bundes in Berlin, ganz besonders im Bereich des Fach- und
  Führungskräfte-Austauschs und der Freiwilligendienste sowie der
  Servicestelle Engagement Global.

- Die Vernetzung der Akteure des Globalen Lernens mit Akteuren anderer
  gesellschaftlicher und thematischer Bereiche (öffentlicher Sektor,
  umweltpolitische NRO, Gewerkschaften, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und
  Medien). Das Land Berlin ermöglicht dies durch die Bereitstellung günstiger
  Rahmenbedingungen, durch Austausch und gemeinsame Aktivitäten u.a. im
  Bereich „Gute Regierungsführung“.

- Die Ausweitung des Unterrichts moderner Fremdsprachen.

- Die Herstellung der für diese Prozesse erforderlichen Öffentlichkeit durch
  Medien und Veranstaltungen.

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Internationale Hochschulkooperationen


Berlin zeichnet sich durch eine hohe Anzahl an Hochschulen und höheren
Bildungseinrichtungen aus, weshalb Berlin als Wissenschaftsstandort eine wichtige
Rolle einnimmt. Die Berliner Hochschulen verfügen über internationales Know-how
und weltweite Kooperationen und sind bei Studierenden aus der ganzen Welt sehr
begehrt. Dieses internationale Potenzial gilt es weiter auszubauen und für die Stadt
zu nutzen.


Im Mittelpunkt stehen dabei:


- Die konsequente Weiterentwicklung des Denkens in globalen
  Zusammenhängen in Forschung und Lehre durch die Hochschulen in
  Zusammenarbeit mit den Berliner NRO.

- Die Fortentwicklung und der Erhalt von fremdsprachigen Studienangeboten
  sowie von attraktiven Studienangeboten für ausländische Studierende.

- Der Ausbau und die Nutzung der Nachkontaktarbeit der Berliner Hochschulen
  (Alumni-Programme) durch die Hochschulen, Unternehmen und NRO.

- Die Internationalisierung des Lehrpersonals, auch unter Einbeziehung der
  Mitbürger und Mitbürgerinnen mit Migrationshintergrund.

- Die Vernetzung der internationalen Aktivitäten der Berliner Hochschulen und
  Verdichtung zu einem Forum zur Demonstration und zum Austausch ihres
  Know-hows.

- Der Ausbau von internationalen Hochschul- und Forschungskooperationen.

- Die Verstärkung des Informationsaustausches zwischen ausländischen
  Studierenden in Berlin und Akteuren aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft.


Internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit


Zu einem global handlungsfähigen Berlin gehört eine international orientierte Berliner
Wirtschaft. Viele Berliner Betriebe sind bereits international aktiv oder streben dies
an. Zur Unterstützung ihrer Wettbewerbsfähigkeit sollte der Austausch mit
international engagierten Akteuren aus anderen Bereichen verstärkt werden.


Im Mittelpunkt stehen dabei:

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- Kooperationen zwischen Wirtschaft, Hochschulen und Wissenschaft und
  NRO-Netzwerken und migrantischen Akteuren zur synergetischen Nutzung
  des Berliner internationalen Know-hows.

- Verstärkte Kooperation der Berliner Wirtschaft mit Akteuren der
  Entwicklungszusammenarbeit in Form von integrierten Vorhaben oder
  Entwicklungspartnerschaften.

- Ausbildungsprojekte von Berliner Unternehmen besonders in Entwicklungsund
  Schwellenländern. Eine Vermittlung zwischen Unternehmen und Berliner
  Bildungseinrichtungen wirkt dabei unterstützend z.B. bei der Entwicklung von
  Ausbildungs-Curricula.

- Internationale nachhaltige Kooperationsprojekte im Infrastruktur- (Wasser,
  Umwelt, Verkehr, Stadtplanung, Energie, Abfall) und Gesundheitsbereich.

- Der Verstärkung des Fairen Handels und der fairen Beschaffung durch
  öffentliche Hand und Unternehmen.

- Die Ausführung des Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetzes unter
  Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ökonomischer Kriterien durch die
  Berliner Vergabestellen6. Durch fachspezifische Fortbildung soll zwischen den
  dezentralen Vergabestellen der Austausch von Informationen und praktischen
  Erfahrungen gefördert werden.

- Die Internationalisierung der innovations- und wirtschaftsorientierten Cluster7
  im Rahmen der Gemeinsamen Innovationsstrategie der Länder Berlin und
  Brandenburg (innoBB).

- Vorhaben des Technologietransfers (insbesondere im Bereich von
  Umwelttechnologien) unter Einbindung der Wirtschaft und der
  Zivilgesellschaft, z.B. durch Verbesserung der Information der Unternehmen
  und der Zivilgesellschaft, insbesondere KMU und NRO, über
  Kooperationsprojekte in engem Austausch mit den Clustern, Netzwerken und
  NRO.


Eine offene, tolerante und internationale Metropole Berlin


Die wachsende Internationalität stärkt die Potenziale unserer Stadt. Das Land Berlin
hat die Aufgabe, den Austausch und das gegenseitige Verständnis der Menschen mit
unterschiedlichen nationalen, ethnischen, kulturellen und religiösen Traditionen
friedlich zu gestalten.


Über 300 Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit, mehr als 100 Botschaften
und zahlreiche international agierende Verbände und politische Stiftungen arbeiten in

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6 Im Sinne von § 98 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen.
7 Dies sind: Verkehr, Mobilität und Logistik; Gesundheitswirtschaft; Optik (einschließlich
Mikrosystemtechnik); Energietechnik sowie IKT, Medien und Kreativwirtschaft.

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Berlin.  Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern aus allen Kontinenten tragen
sie mit ihren politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aktivitäten zur
Internationalität Berlins bei und ermöglichen neue Kooperationen für eine weltoffene
Metropole.


Insbesondere unterstützt der Senat Nichtregierungsorganisationen, die in ihrer
Vielfalt und Unabhängigkeit wesentlich zu Berlins Weltoffenheit und Multikulturalität
beitragen, als zentrale Akteure in den Bereichen des Globalen Lernens, des Capacity
Buildings sowie der Kampagnen- und Advocacy-Arbeit durch die Sicherung ihrer
Rahmenbedingungen und Infrastruktur.


Im Mittelpunkt stehen dabei:


- Die Unterstützung des Aufbaus des Eine-Welt-Hauses als gemeinsames Dach
  und Forum für entwicklungspolitische Einrichtungen in Berlin.

- Eine offene, bürgerfreundliche Politik und die Lösung komplexer Probleme in
  der Metropole, da die öffentliche Verwaltung eine Vorbildfunktion sowohl für
  die Außenbeziehungen (Signalwirkung der deutschen Hauptstadt) als auch im
  Rahmen der interkulturellen Zusammenarbeit innerhalb Berlins (Migration) hat.

- Die enge Zusammenarbeit mit Botschaften und international kompetenten
  Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit in der Hauptstadt Berlin.
  Insbesondere die Kooperation des Landes Berlin mit der Deutschen
  Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Engagement
  Global, der KfW Entwicklungsbank und dem Bundesministerium für
  wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie
  Nichtregierungsorganisationen wird im wechselseitigen Interesse intensiviert
  und strategisch ausgerichtet. Angebote für Bürgerinnen und Bürger und NRO
  sollten aufeinander abgestimmt und Kooperationsnetzwerke gemeinsam
  genutzt werden.

- Die aktive Bekämpfung von jeder Form von Fremdenfeindlichkeit und
  Rassismus, das Werben für den Respekt für andere Lebensformen und die
  Bereitschaft und Neugier, von Anderen zu lernen. Die Förderung von
  inklusiven Strategien, auch innerhalb der Verwaltung.

- Die Förderung von Migrantenorganisationen und die intensive
  Zusammenarbeitet mit ihnen sowie ethnischen, kulturellen und religiösen
  Selbstorganisationen im Land Berlin und international.

- Die verstärkte Einbeziehung von Akteuren aus Wirtschaft, Hochschulen,
  Kultur, Medien, aus Migranten und Nichtregierungsorganisationen in die
  Ausgestaltung der Berliner Städtepartnerschaften. Diese bilden einen Rahmen
  für vielfältige kulturelle, wirtschaftliche, ökologische, gesellschaftliche und
  politische Kooperationen, für den Transfer von Know-how in den Bereichen
  der städtischen Infrastruktur und für den Aufbau rechtsstaatlicher und
  demokratischer Strukturen. Städtepartnerschaften werden durch geeignete
  multinationale Kooperationsformen ergänzt.

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- Die Weiterentwicklung der Asien-Pazifik-Wochen Berlin.

- Die Beteiligung an Projekten und Programmen der Europäischen Union zur
  internationalen Zusammenarbeit mit dem Ziel des Erfahrungsaustausches und
  der Vernetzung mit anderen Regionen und Städten in der EU und weltweiten
  Partnern.

- Die Verstärkung der Zusammenarbeit mit dem Land Brandenburg bei
  internationalen und entwicklungspolitischen Vorhaben.


Klima- und Umweltschutz - urbane Lösungsansätze


Gerade weil Entwicklungsfortschritte und das Erreichen von Millennium
Development Goals durch Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt und weitere
Formen der Umweltzerstörung sowie damit einhergehende Krisen und Katastrophen
gefährdet werden und geeignete Mechanismen zu Schutz und Präventionen vielfach
noch nicht entwickelt worden sind, ist das partnerschaftliche Zusammenwirken
möglichst vieler Akteure auf unterschiedlichen Ebenen anzustreben.


Die Berliner Landespolitik orientiert sich an einer nachhaltigen Entwicklung für den
Erhalt der Lebensräume, den Schutz und die nachhaltige Nutzung der natürlichen
Ressourcen. Klimaschutzziele sollen durch den Einsatz erneuerbarer Energien,
verstärkte Energieeffizienz und Energieeinsparungen erreicht werden, u.a. durch die
entsprechende Modernisierung der städtischen Infrastruktur sowohl in Berlin als auch
im Wege des Know-how Transfers in anderen Teilen der Welt.


Im Mittelpunkt stehen dabei:


- Die Ausrichtung von landespolitischen Entscheidungen an globalökologischen
  Zielen, insbesondere des Klimaschutzes auf der Grundlage der
  Verpflichtungen, die Berlin u.a. durch seine Mitgliedschaft im „Klimabündnis
  europäischer Städte zum Schutz des Regenwaldes“ und im C40 Netzwerk
  eingegangen ist.

- Die Professionalisierung des internationalen Know-how-Austauschs auch mit
  Entwicklungs- und Transformationsländern in den Kompetenzbereichen
  städtische Infrastruktur, Stadtentwicklung und gute Regierungsführung unter
  Beteiligung von Unternehmen und Verwaltungen des Landes Berlin. Hierzu
  soll auch die Unterstützung von entwicklungspolitischen Einrichtungen des
  Bundes insbesondere zur gemeinsamen Nutzung von Netzwerken, des Knowhows
  und für Fragen der Finanzierung gewonnen werden.

- Die Entwicklung von Strategien zur ökologischen Umstrukturierung der
  städtischen Infrastruktur, insbesondere in den Bereichen Klimaschutz,
  Mobilität, Luftreinhaltung und Lärmminderung, Wasserver- und -entsorgung,
  Abfallwirtschaft und Recycling unter Nutzung von Erfahrungen, Technologien
  und sonstigen innovativen Entwicklungen und eine Stärkung der

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  internationalen Zusammenarbeit in den genannten Bereichen in Kooperation
  mit der Berliner Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, NRO und Verwaltung.

- Die Entwicklung von Strategien zur Anpassung an den Klimawandel und zur
  Bewältigung seiner Folgen, gemeinsam mit anderen Städten sowie nationalen
  und internationalen Partnern, die bereits über entsprechende Erfahrungen
  verfügen.


Weiterentwicklung der entwicklungspolitischen Leitlinien


Diese Leitlinien werden durch jährliche Fortschrittsdiskussionen überprüft und
dynamisch weiterentwickelt. Die LEZ führt mit Unterstützung des Beirats für
Entwicklungszusammenarbeit zu diesem Zweck Strategiegespräche mit Partnern aus
entwicklungspolitischen NRO sowie Akteuren anderer gesellschaftlicher und
thematischer Bereiche (u.a. öffentlicher Sektor, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur,
Medien) durch, die die internationalen entwicklungspolitischen Trends aufgreifen,
erörtern und ggf. umsetzen helfen.

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Quelle: Berlin.de